Wandeln unter Palmen

Die neuen Gewächshäuser der Nachkriegszeit  

 

Die Nachkriegszeit beginnt in der Flora mit dem Beseitigen des Trümmerschutts, dem Verfüllen der Bombentrichter und dem Abriss des Glaspalastdachs. Auch die Ruinen der alten Schauhäuser werden abgeräumt. Keines hat den Bombenhagel überdauert. Als einzige Gewächshauspflanzen haben drei Schusterpalmen (Aspidistra elatior) den Krieg überlebt. Köln liegt weitgehend noch in Trümmern – aber dennoch ist der „Hunger“ nach gepflegtem Grün und exotischen Pflanzen derart groß, dass in der Flora bald wieder über Schaugewächshäuser nachgedacht wird. Ab 1950 wird in Riehl tatsächlich neu gebaut. Nach und nach entsteht ein U-förmiges Ensemble, das den Tropischen 
Hof einfasst.

Kleines Tropenhaus 


Mit Eröffnung des Kleinen Tropenhauses (später: Haus für tropische Nutzpflanzen) können die Pflanzenschätze, vor allem die Orchideen von „Pflanzendoktor“ Neuenhaus wieder präsentiert werden. Farbenpracht und Exotik sollen die Menschen erfreuen. Vor allem werden tropische Nutzpflanzen, wie Kaffee, Kakao, Zimt, Muskat und  Vanille gezeigt. Das besondere Publikumsinteresse gilt den Fleischfressenden Pflanzen und natürlich den  Orchideen, als Symbolen für Schönheit, Exotik und Luxus. 

Kakteenhaus 

Das Kakteenhaus (später: Sukkulentenhaus, Wüstenhaus) wird 1953 eröffnet. Bei der Konzeption werden im Gegensatz zu den anderen Häusern geografische Aspekte stärker in den Vordergrund gestellt. In getrennten Beeten werden die Pflanzen der „Neuen Welt“, also Amerikas (Säulenkakteen, Palmlilien, Feigenkakteen, Agaven uvm.) und der „Alten Welt“, also Afrikas, Asiens und Südeuropas  (Säuleneuphorbien, Brotpalmfarne, Aloen) ausgestellt.  

Großes Tropenhaus 


Das Große Tropenhaus gilt nach der Eröffnung 1955 als eines der schönsten und am besten eingerichteten Schau häuser Europas: „Äquatorzauber am Rhein!“ Das 54 m lange und 10 m hohe Glashaus vermittelt mit dem modellierten Gelände, seinem Seerosenteich und der Bambusbrücke den Eindruck eines tatsächlichen Dschungels. Im schwülen Regenwaldklima spürt der Besucher, auf schmalen Kieswegen, vorbei an Riesenbambus, Palmen, Schlingpflanzen und tropischen Wasserpflanzen wandelnd, viel von der Faszination, die schon im 19. Jahrhundert die Kölner in der Flora in Bann schlug.  



Der Tropische Hof 

Als Clou wird im Rahmen der Bundesgartenschau 1957 der Tropische Hof eingeweiht. Er dehnt sich unter einer alten Libanonzeder um ein tropfenförmiges, nilgrünes Wasserbecken aus. Hier wachsen tropische Pflanzen wie Lotus, Papyrus, Reis und natürlich wieder die „Königin der Seerosen“, die Victoria amazonica mit ihren riesigen Blatttellern.  

 

Das Subtropenhaus 

Zum 100-jährigen Jubiläum macht die Stadt Köln sich und der FLORA 1964 das Subtropenhaus zum Geschenk. Das Kalthaus bildet den Abschluss des Wiederaufbaus der Glashäuser im Botanischen Garten. Versammelt sind Pflanzen aus den gemäßigten Zonen der Welt. Auf 600 m² Grundfläche werden neben den Neuholländischen, also australischen Gewächsen vor allem Pflanzen aus Südafrika, dem Mittelmeerraum, von den Kanaren und aus dem subtropischen Asien gezeigt. Das besondere Augenmerk gilt den Kamelien (Camellia). Aus den prächtigen Arten und Sorten dieser Teegewächse kann im Lauf der Jahrzehnte die größte und bedeutendste, das Publikum Jahr für Jahr durch ihre winterliche Blütenpracht bezaubernde Sammlung aufgebaut werden.







Text: Gerd Bermbach, Nümbrecht, Grafik: SeidemannDesign, Wachtendonk
Abbildungsnachweis: Gerd Bermbach, Botanischer Garten Köln, Eugen Moll