Die Gründung der Flora-Aktiengesellschaft

 

„Dampfroß walzt die Kinder Floras flach“Eine Flora Aktie

Unmittelbar am Dom lag der Alte Botanische Garten. Er ist „wegen seiner günstigen Lage in einem dichtbevölkerten, verkehrsreichen Stadtviertel einer der angenehmsten, von den wenigen im Inneren der Stadt befindlichen öffentlichen Spaziergängen und Erholungsorten.“ Dieses letzte Stückchen Grün fällt 1859 dem Bau des Central-Bahnhofs zum Opfer.

 

Statuten und ein „huldreiches Schreiben“

Der Wunsch nach einem neuen Botanischen Garten führt dazu, dass sich am 5. September 1862 ein Komitee aus12 namhaften Kölner Bürgern unter Führung des Bankiers Eduard Oppenheim konstituiert. Bald ist die Gründung der Aktien-Gesellschaft „Flora“ mit einem Grundkapital von 100.000 Talern vollzogen. „Zweck der Gesellschaft ist die Anlage eines botanischen Zier- und Lustgartens, die Errichtung von Treibhäusern und Wintergärten, sowie die Benutzung des Gartens als Versammlungs- und Vergnügungsort.“ Die Gemahlin des preußischen Königs Wilhelm, Königin Augusta, übernimmt mit einem „huldreichen Schreiben“ vom 18. Mai 1863 das Protektorat über die Flora. Sie schreibt: „Ich freue mich dem Verwalthungs-Rathe der Gesellschaft Flora zu Coeln zu sagen, wie gerne ich mein Protektorat diesem Unternehmen gewähre.“ Der König stiftet eine Reihe von Orangenbäumen aus Sanssouci.

                                                          Eduard Oppenheim KoeniginAugusta KoenigWilhelmvonPreussen Peter-JosephLenne

„Einsichtsvoller Rat“ aus Sanssouci

Dombaumeister Richard Voigtel schreibt als Mitglied des Verwaltungsrats am 5. September 1862 zur „Erlangung eines Planes“ an den „Königlichen General-Garten-Director Lenné“. Er appelliert an diesen als „geborenen Rheinländer", ihn zum Zwecke „einsichtsvollen Rathes bei der Planung in Anspruch nehmen zu dürfen“. Lenné antwortet hocherfreut aus Sanssouci und stellt seine Erfahrungen in der Gartengestaltung zur Disposition.

 

Im preußischen FestungsrayonDer Alte Botanische Garten am Dom

Vor den Toren Kölns erwirbt die Aktiengesellschaft zwischen den Dörfern Riehl und Nippes ein Grundstück, das im Schussfeld des 2. Festungsrings liegt und daher zu einem Drittel gänzlich von Bebauung frei bleiben muss. Bereits am 25. Oktober 1862 beginnen die Erdarbeiten mit dem ersten Spatenstich. Mit atemberaubender Geschwindigkeit geht es an die Umsetzung des Lenné’schen Plans. Trotz finanzieller Engpässe können 1863 fast alle Zier- und Lustgarten-Partien fertiggestellt werden und bieten gleich „von vornherein den Eindruck eines längst bestandenen Gartens, weil die Bepflanzung zum größten Theil mit hohen alten Bäumen, die von nah und fern auf Verpflanzmaschinen herbeigeschafft wurden, vorgenommen worden war.“

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Abbildungsnachweis:
Bankhaus Sal. Oppenheim, W. Deichmann, Rheinisches Bildarchiv, Wikipedia