Der „Botanische Zier- und Lustgarten“

Französisches Parterre und Terrasse

„Die Absicht des Künstlers (Lennés) bei der Anlage dieses Gartens war, neben modernem Schmuck und derjenigen Pracht, welche man von einem für das Publikum zur Anschauung bestimmten Garten verlangen kann, die Geschichte der Gartenkunst in den verschiedenen Stylarten zur lebendigen Anschauung zu bringen.“  Historische Ansichten der Torhäuser und des Französischen Parterres um 1900

Mit diesem Satz beschreibt der zeitgenössische Gartenschriftsteller Hermann Jäger zutreffend den Flora-Garten, der als Spätwerk Peter Joseph Lennés ein Meisterwerk des Historismus ist. Alle bis dahin existierenden Gartenstile von der Antike über Renaissance und Barock bis zum Englischen Landschaftsgarten werden in der Flora zitiert. Folgen wir Hermann Jäger auf seinem 1864 unternommenen Spaziergang durch die Flora.

 „Reichster Blumenschmuck“ - Das Französische Parterre

„Den baumgesäumten Vorplatz passierend, stößt man hinter den Portierhäusern zuerst auf ein prächtiges Parterre nach französischer Art, welches aber wahrscheinlich durch den reichsten Blumenschmuck von seinem Vorbilde aus dem 17. Jahrhundert sich unterscheiden wird“. Als repräsentativstes und prachtvollstes Element des Gartens ist dieses 100 m lange neobarocke Parterre wie ein wertvoller Teppich zwischen Haupteingang und Glaspalast eingespannt. Das Flora-Parterre ist keine exakte Rekonstruktion eines Barockparterres, sondern eine Neuinterpretation mit den Stilmitteln des 19. Jahrhunderts. Durch Vereinfachung der Ornamentlinien wird die Filigranität zu Gunsten üppiger Farbigkeit ersetzt.

Die Ornamentformen sind in Rasen eingebettet und betonen auf grünem Grund vor allem die Bepflanzung mit „leuchtenden Blumen“. Die teppichartige Bepflanzung mit flach wachsenden Florblumen unterstützt die Wahrnehmung der Ornamentformen. Die Linien der größeren Einzelornamente werden mit sich farblich abhebenden, bunt- und weißlaubigen Einfassungspflanzen betont. Ihren Anfangs- und Endpunkt findet die mittige Rasenachse in zwei runden, kegelförmig erhöhten „Tortenbeeten“, die Phantasieschöpfungen des Historismus sind. Im Mittelpunkt des Parterres erhebt sich eine elegante Fontäne, die von vier Frauenskulpturen in wallenden Gewändern flankiert wird. Sie symbolisieren Gärtnerei, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe.

„Blühende Mauern“

Den Rahmen des Parterres bildet eine Allee aus rotblühenden Kastanien und Ulmen, die auf die Ränder des Glaspalastes ausgerichtet sind. Die Terrassenmauer, die auch „Blühende Mauer“ genannt wird, ist mit weißen Holzspalieren bekleidet, die den bunten Kletterpflanzen Halt geben. Zwei kleeblattförmige Wasserbecken werden von wasserspeienden Löwenköpfen gespeist. Die Terrasse, von der sich das Französische Parterre in ganzer Schönheit überblicken lässt, erreicht man über eine repräsentative Freitreppe. „Sehen und Gesehen werden ist hier das Motto.“

DieFlorainKoelnGartenplanvonPeterJosephLenne1862

Kaskade und Englische PartienKahnfahren erlaubt

 „Wasser ist die Seele des Gartens“

Auf den beiden Schmalseiten liegt im Norden die Dampfmaschine, die den Glaspalast klimatisiert und die Springbrunnen betreibt. Im Süden nimmt die Kakadenachse ihren Auftakt auf der Glaspalastterrasse. Hier markiert ein rundes Wasserbecken deren Anfangspunkt. In der Brunnenmitte thront auf einer reich verzierten Konsole, ein Jüngling, der eine Pflanzschale hält. Laut Jäger ist die Kaskade, die „in fünf Abfällen zwei runde Bassins“ verbindet, „zu beiden Seiten mit breiten Wegen und Laubengängen eingefasst.“ An toskanische Villengärten der Renaissance erinnernd, fällt das Wasser in dünnen Schleiern über die Stufen herab. Die seitlich anschließenden Wege erlauben es, sich entweder in voller Sonne am plätschernden Wasser zu erfreuen oder im Spiel von Licht und Schatten durch die geschnittenen Hainbuchengänge zu flanieren. Vor der Terrasse liegt ein weiteres neobarockes Beet: Das halbrund ausschwingende Holländische Parterre. 

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Der Flora-Tempel

Am Endpunkt der Kaskade erhebt sich der weiße Flora-Tempel. Dieser zierliche Monopteros besteht aus zehn korinthischen Säulen, die eine mit Kupfer gedeckte Kuppel tragen Er beherbergt die für den ganzen Garten namengebende Göttin Flora des berühmten Kölner Bildhauers Anton Werres.

Die Englischen Partien

Partien im Stil des Englischen Landschaftsgartens binden das Achsenkreuz mit Französischem Parterre und Kaskade ein. Die Gestaltung dieser malerisch-landschaftlichen Gartenpartien, die mit verschlungenen Teichen, verschwiegenen Ecken, Grotten, Götterfiguren und Koniferenhainen aufwarten, kommt weniger den repräsentativen, sondern mehr den romantischen Bedürfnissen der Besucher entgegen. Aus der rahmenden Pflanzung der Englischen Partien entwickeln sich Baum- und Strauchgruppen in den Raum hinein. Sie betonen die eingemuldeten Wiesenflächen, die das Gelände weitläufig und großzügig wirken lassen. Elegant geschwungene Wege führen den Besucher als „stumme Führer“ zu allen interessanten Punkten.

Goldfischteich und Palmenwald

Die Partie jenseits des Kaskadenhügels wird von einem Weiher mit verschlungener Uferlinie dominiert, die in Lennés Entwurf als „Goldfischteich für Wasserpflanzen“ bezeichnet ist. Der Weiher wird von einem kleinen Wasserfall, der sich in einem Palmenwald über künstliche Felsen ergießt, gespeist. 


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Abbildungsnachweis:
Gerd Bermbach, Joachim Brokmeier,  Freundeskreis Botanischer Garten Köln, Rheinisches Bildarchiv, Stadtmuseum Köln