Forschung und Lehre

Nach der Besatzung wird die FloraGaststaette 1926 wieder eroeffnet

Der Erste Weltkrieg

Nur wenige Wochen nach der Eröffnung des Botanischen Gartens ist es endgültig vorbei mit den Blütenträumen. Unmittelbar nach Mobilmachung werden die Säle des Glaspalasts als Truppenquartiere requiriert und dann Kriegertagesheim. Es finden täglich Konzerte des Flora-Orchesters für die Verwundeten statt. In Anbetracht der wirtschaftlich aussichtslos werdenden Lage der Aktiengesellschaft wird 1915 eine Kommission gebildet, welche die Übernahmemodalitäten durch die Stadt Köln regeln soll.

Parterre und Kaskade im schlichten Gewand der Wissenschaft
1917 wird schließlich der gesamte Wirtschaftsbetrieb eingestellt und die Fenster verbrettert. Gartenamtsleiter Fritz Encke schreibt resignierend: „Die älteste und schönste Palme, welche jetzt schon an das Dach des Wintergartens stößt, muss ihrem Schicksal überlassen werden“ Sie erfriert im letzten Weltkriegswinter 1917/18. Die Stadt Köln übernimmt den Besitz einer Anlage, „die sich in einem unglaublich heruntergewirtschafteten Zustand“ befindet und die zudem bis 1925 von den englischen Besatzungstruppen beschlagnahmt ist. Erst nach deren Abzug öffnet 1926 das Restaurant noch einmal bis 1934 in schlichter Form die Pforten.

 

 

 Parterre und Kaskade im schlichten Gewand der Wissenschaft 2
Verlorene Parkherrlichkeit

Professor Sierp und seine Mitarbeiter 1930

Als Prof. Hermann Sierp 1928 sein Amt als Ordinarius des Botanischen Instituts und gleichzeitig als Gartendirektor antritt, erhält er den Auftrag, „den bis dahin noch wenig entwickelten Botanischen Garten in einen solchen umzuwandeln.“ Er soll für den wissenschaftlichen Unterricht der Universität und der Schulen nutzbar gemacht werden. „Die Flora wurde ihres Charakters einer bloßen Erholungsstätte entkleidet; sie nahm das ernste, sachliche Gewand wissenschaftlich-botanischer Forschung und Lehre an.“ Pavillons, Vasen und Skulpturen werden verschrottet. In Köln trauert man um die verschwundene Parkherrlichkeit.

Im Dritten Reich

Auch im Nationalsozialismus bleibt der Garten eine Stätte der Wissenschaft. Die Zielsetzung von Botanischem Institut und Garten wird der NS-Ideologie mit Betonung z. B. der Vererbungslehre und der Schau kolonialer Pflanzen untergeordnet. „Hilfe“ erhält das gärtnerische Personal bereits im Sommer 1933. Der Westdeutsche Beobachter schreibt: „Bürger, schützt Eure Anlagen. Vier aufmerksame SA-Leute sorgen wohl dafür, daß in den Anlagen keine Übertretungen vorkommen und daß Kinder keine Pflanzen betreten oder gar abpflücken. Doch auch ihr Blick kann nicht überall sein.“ Es ist anzunehmen, dass die SA mit ihrem „Blick“ auch das Betretungsverbot für Juden in die Flora überwacht.

Bank 'Nur für Arier'

  Der zerstoerte Flora-Tempel  DerGlaspalastinTruemmern

Bombenhagel und Zerstörung

Während des ganzen Kriegs ist der Botanische Garten ohne Leitung. Die Flora fällt 1942 in Schutt und Asche. Im Bombenhagel von mehr als 120 Sprengbomben werden Glaspalast, Gewächshäuser und Frauen-Rosenhof zerstört, Bäume und Gartenanlagen zerfetzt.

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Abbildungsnachweis:
Gerd Bermbach, Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Joachim Brokmeier, Eugen Moll