Die festliche Einweihung der Flora

Am 14. August 1864, einem Sonntag, beginnt nachmittags um 4 Uhr die Eröffnungsveranstaltung im Glaspalast mit einem Diner „zu Ehren des Herrn ‚General-Garten-Directors‘ Lenné.“ „Rund 4000 Besucher aus der ‚besseren Gesellschaft‘ Kölns streben in „Dampfbooten, Omnibussen, Equipagen, Droschken und auf Schuhmachers Rappen“' herbei.

            EinrauschendesEroeffnungsfest  Fest 1888

Im GlaspalastDas Publikum überlässt sich ganz dem Reiz des Sensationellen und genießt den Rausch, der sich durch dieses Elixier aus prächtiger Architektur, prunkvoller Ausstattung, Feuer, Farben, Musik, Tanz, Wein und edlen Speisen einstellt; eben dieser Bestandteile, die dem festefrohen, sinnesfreudigen, aber auch romantischen Herzen des Kölners so sehr entsprechen. „Den Mittelpunkt des Festes bildet der in grandiosen Formen ausgeführte Glaspalast, der als Wintervergnügungslokal dienen wird. Schon die beiden großen, den Eingang des Glashauses bewachenden Sphinxe deuten an, dass hier die Blüthen einer heißeren Sonne gedeihen. Durch die von Blütenduft erfüllten Gänge wogten Tausende von Menschen, die sich am Anblick des Lichtermeeres und seiner magischen Wirkung auf die Blumenbeete, die Gebüsche und des rauschenden Wassers erfreuen.“

Bengalisches Feuer und flüssiges Silber

„Die Flammen der Laternen brachen sich in den sie umgebenden Krystallprismen in wundersamem Farbenspiele. Der große Teich mit der Fontäne im Parterre war mit einem durch den Wasserspiegel verdoppelten Kranze von Gasflämmchen eingefasst. Auch zu beiden Seiten der Cascade zog sich eine Einfassung solcher Gasflämmchen hin, welche das langsam von Becken zu Becken fließende Wasser in flüssiges Silber verwandelten. An den beiden Endpunkten der hohen Laubengänge neben den Cascaden war rothes bengalisches Feuer angebracht, welches die Westseite des Glashauses magisch erhellte.“

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Hier ist man „unter sich“

Nach diesem festlichen Abend haben die Kölner mit der Flora einen neuen gesellschaftlichen Mittelpunkt in Besitz genommen, der über Jahrzehnte alle anderen Räumlichkeiten in Bezug auf Größe, Modernität und luxuriöse Ausstattung in den Schatten stellen sollte.Genießen können diesen Luxus naturgemäß nur die, denen die Gründerzeit das entsprechende Vermögen gebracht hat. Denn hier ist „man unter sich": „... und vor dem Gitter draußen beobachteten wir Pänz mit klopfendem Herzen die Auffahrt der eleganten Droschken, aus denen schöne Damen mit Schleppenkleidern stiegen, begleitet von Kavalieren in hohen, steifen Pitschkragen und Lackstiveletten, die schwere goldene Uhrkette quer über die Blömchesweß drapiert. Hier tanzte die kölsche Gesellschaft bis in den frühen Morgen."

 
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Abbildungsnachweis: Gerd Bermbach, Kristiane und Eugen Moll