Vom Aschenputtel zu neuer Blüte

 DaswiederhergestellteFranzoesischeParterre    Baubeginn 1986 

In den 1970er Jahren fällt die Flora in ein Aschenputteldasein. Es scheint, als habe man den Botanischen Garten vergessen. Die Universität mit dem Botanischen Institut ist mit sich selbst beschäftigt und nicht mehr interessiert. Von Seiten der Stadt wird wieder über die Schließung nachgedacht. Es ist niemand mehr da, der für den Garten kämpft. Mit Herzblut und Verve nimmt Eugen Moll als neuer Leiter 1977 den Kampf für die Flora auf. Dieser mündet 1983 im Beschluss eines vierteiligen Leit- und Zielplans. Molls Engagement wird ab 1982 durch den Freundeskreis Botanischer Garten als Förderverein unterstützt. 

Die denkmalpflegerische Zielplanung

Illumination zum 125. Jubiläum 1988
Als 1. Bauabschnitt wird die denkmalpflegerische Zielplanung umgesetzt. Kernziel ist, im Parkteil Flora die Handschrift Peter Joseph Lennés und im Botanischen Garten die Peter Essers wieder erkennbar zu machen. Am Beginn steht die Wiederherstellung des Französischen Parterres mit seinen neobarocken Ornamentformen, die nach historischen Plänen und Fotos mit 1850 Metern Bandeisen fixiert und originalgetreu bepflanzt werden. An der Terrassenmauer werden nach Entfernung der asphaltierten Vorfahrt Kriegs- und Verfallsschäden repariert. Die Freitreppe entsteht neu. Heute bildet die Ziegelmauer mit ihren berankten Spalieren und den Löwenbrunnen wieder das blühende Fundament der Flora-Terrasse. Die Kaskade ist in einem baulich derart desolaten Zustand, dass nur ein kompletter Neubau denkbar ist. Dieser soll als solcher erkennbar sein und erfolgt in Kunststein, der dem ursprünglichen „Cement-Putz“ nahe kommt. Für den Neubau des Flora-Tempels fehlen die finanziellen Mittel. In den Englischen Partien erhält das gesamte Wegesystem auf mehr als 1 km Länge den eleganten Schwung zurück, um den Besucher wieder als „stummer Führer“ leiten zu können. Pünktlich zum 125. Jubiläum kann die Flora den Kölnern im „Festkleid“ zurückgegeben werden.

Neue Verwaltung und Grüne Schule

Die Ufermauern des Frauen-Rosenhofs im Rohbau1995

Nach und nach werden auch die anderen Abschnitte des Leit- und Zielplans realisiert: Die Schaugewächshäuser werden teilsaniert. 1989 kann das neue Betriebsgebäude an der Amsterdamer Straße bezogen werden. Mit der Grünen Schule Flora wird eine zukunftsweisende Fortbildungseinrichtung als Beitrag zum gestiegenen Umweltbewusstsein geschaffen, die im renovierten Frauen-Rosenhof ihr Domizil findet.

Entrée, Roter Garten, Weiher und Duftgarten

Mit Hilfe der Zimmererinnung können die beiden Torhäuser und das prachtvolle Eingangstor als Entrée neu erbaut werden. 1995 wird der völlig verschlammte Flora-Weiher, der ökologisch „umzukippen“ droht, grundsaniert. Im Zuge dieser Arbeiten kann auch der Rote Garten am Frauen-Rosenhof mit der schönen Pergola, den roten Sandsteinmauern und seinen roten Rosen wieder hergestellt werden. Ein unerwartetes Geschenk fällt der Flora als Spende des Duftherstellers Firmenich zu: Der Duftgarten für Blinde und Sehende. Jede Jahreszeit hat hier ihre charakteristischen Düfte. Kontraste aus tiefschwarzen Basaltstelen und schneeweißen alpinen Marmorfelsen sind als Leitsystem für Sehbehinderte eine wichtige Hilfe.
Der Weiher erhält eine neue Tondichtung 1995


Rückblick und Vorausschau

Nach 23 Jahren „Herzblut“ zeigt sich die Flora zur Pensionierung Eugen Molls im Jahr 2000 wieder als prachtvolle historische Parkanlage. Auch der Botanische Garten kann, obwohl nicht wissenschaftlich durch ein botanisches Universitätsinstitut geführt, die Ansprüche als wichtige botanische Bildungseinrichtung mit großer Breitenwirkung erfüllen. Jedoch ziehen, beginnend mit der Reduzierung des gärtnerischen Personals von 43 auf 23 Mitarbeiter, wieder dunkle Wolken über der Flora auf.




 Mit 1850 m Bandeisen werden die Ornamente des Französischen Parterres fixiert 1987 Ein Lavendelband zieht sich durch den Duftgarten 1996 Richtfest an den Torhäusern 1996

Abbildungsnachweis:
Gerd Bermbach